
Die CSD-Kampagne - Making of
Wer sich für den Hamburger CSD engagiert, muss einiges wissen und können. Vor allem aber muss er aber immer offen sein für neue Erfahrungen. Auch für ein Fishcasting. Vermutlich gab es bis vor kurzem dieses Wort noch nicht mal. Doch Hamburg Pride macht's möglich: Für die Erstellung der diesjährigen CSD-Kampagne wurden aus Homo-Aktivisten Fischkenner und aus ehemaligen Meeresbewohnern politische Botschafter.
Alles begann im Februar dieses Jahres als sich eine kreative Gruppe zusammenfand, um das diesjährige CSD-Motto zu erarbeiten. Das Motto sollte auffordernd und zupackend sein und sich nach "Homoreform 2007" in diesem Jahr nicht nur an die Politik, sondern auch an die Community richten. Ob es nur die Ungeduld mit dem Findungsprozess war oder ein kreativer Blitz - auf einmal war es da, das norddeutsche Sprichwort "Butter bei die Fische!" Diese vier Wörter brachten es auf den Punkt: Die Aufforderung richtet sich sowohl an die Politik, sich u. a. endlich für die vollständige Gleichstellung von Homo- und Heteropaaren einzusetzen, als auch an die Community: Kommt zur Parade, feiert das bisher Erreichte und fordert dort laut, deutlich und gut sichtbar Eure Rechte ein!
Die Gruppenmitglieder waren zufrieden. Ihr Auftrag war erfüllt. Dass die grafische Umsetzung dieses Mottos noch ein Fishcasting nach sich ziehen würde, war zu diesem Zeitpunkt keinem in der Gruppe bewusst. Erst als Art Direktor Ian Thomson (www.ianthomson.de) im März mehrere großartige Ansätze für die visuelle Umsetzung präsentierte, dämmerte es dem einen oder anderen: Fische - ob nun als Regenbogenforellen, Meerjungfrauen bzw. Meerjungmänner oder als vom Fischkopf her stinkende Politiker - würden im Mittelpunkt der Kampagne stehen.
So gab es keinen Weg zurück. Ein Fishcasting musste her: Germany's next Fishmodel! Die Kanditaten: Regenbogenforellen, Saiblinge und Doraden. Die Jury: Fotograf Paul Schimweg (www.whitehall-photographie.de), der im letzten Jahr die Paare für die Homoreform-Kampagne ins rechte Licht gesetzt hatte, Ian Thomson, kreativer Vater der diesjährigen Kampagne, und Hamburg-Pride-Mitarbeiterin Nina Bade, die in gewohnter Manier die Fäden zusammen hielt.
Wer nun denkt, dass ein Fotoshooting mit toten Fischen leichter wäre als mit Menschen, der irrt. Zwar ist die Gefahr relativ gering, dass die Fische beim Fotografieren blinzeln oder sie Anweisungen widersprechen. Allerdings hören sie auch nicht auf Anweisungen, sind glitschig und halten weder Form noch Flossen. Entsprechend aufwändig gestaltete sich das Fishstyling (siehe Foto). Am Ende gelangen Fotograf Paul jedoch großartige Fotos aller Kandidaten.
Dann kam die harte Entscheidung der Jury. Nur eine Fischart konnte für die Kampagne genutzt werden, die anderen mussten gehen bzw. schwimmen. Die wegen ihres Namens als Wunschkandidaten ins Rennen gegangenen Regenbogenforellen schieden aufgrund ihrer ungemeinen Größe und Hässlichkeit (siehe Gruppenfoto) recht schnell aus. Dieses Schicksal ereilte letztlich auch die Saiblinge, da sie in ihrer Größe zu sehr variierten und sie so den politischen Forderungen in der Kampagne zu unterschiedliches Gewicht gegeben hätten. Als Hecht im Karpfenteich erwiesen sich letztlich die Doraden. Ihr Bild gefiel der Jury auf Anhieb: Top Aussehen, einheitliche Statur, gekonntes Posing. So wurden aus den fangfrischen Mittelmeer-Doraden postum Hamburger-CSD-Regenbogen-Doraden. Herzlichen Glückwunsch!
Für alle Naturschützer noch ein abschließender Hinweis: Für die Kampagnenfotos musste kein Fisch sein Leben lassen. Die Tiere wurden erst nach ihrem Ableben gecastet und nach dem Fotoshooting verzehrt.





