
Es gibt aber auch Fälle, da würde der Beschenkte den Strauß aber am liebsten gleich wieder wegwerfen - nämlich dann, wenn die Blumen nur Pflicht sind und nicht von Herzen kommen.So geht es auch uns. Natürlich wollen wir unseren 30. CSD-Geburtstag groß feiern und freuen uns über Glückwünsche und Blumen. Aber sie müssen ernst gemeint sein. Denn was nutzen uns Blumen und warme Worte zum Geburtstag, wenn uns am Tag danach doch nur wieder die volle Gleichberechtigung verwehrt wird? Nichts! Wer unsere Forderungen nicht unterstützt und deren Umsetzung vorantreibt, kann sich auch den Weg in den Blumenladen sparen. Denn wie in den letzten 30 Jahren wünschen wir uns vor allem eins: Gleiche Rechte!
Nachdem wir 2008 passend zum Motto "Butter bei die Fische" schon einmal Tiere auf unserem CSD-Plakat hatten, waren wir uns eigentlich sicher, in diesem Jahr einen großen Bogen um die Fauna zu machen. Denn das Motto "30 Jahre CSD Hamburg - Gleiche Rechte statt Blumen!", das wir wie in den Vorjahren in einem offenen Treffen gemeinsam mit Vertretern der Community erarbeitet hatten, ließ, wenn überhaupt, florale Auswüchse erwarten. Doch es kam anders.
Am 3. Februar präsentierten mehrere Teams ihre Vorschläge für die Umsetzung des diesjährigen CSD-Mottos - und belegten einmal mehr, dass Hamburg eine Stadt voller kreativer Köpfe ist. Dieser Segen hat aber auch negative Seiten: Denn das um mehrere Experten erweiterte Hamburg-Pride-Team musste aus den vielen großartigen Vorschlägen denjenigen heraussuchen, der die CSD-Kampagne 2010 werden sollte. Eine schwere Entscheidung. Ausschlaggebend für die Wahl der Blumen-und-Bienen-Idee von fischerAppelt, furore war die ausgesprochen gelungene Visualisierung des Mottos, die gleichzeitig auf sympathische Weise mit dem Thema Aufklärung spielt.
Nach der Entscheidung für die Idee ging es an die Umsetzung, die dank der äußerst engagierten Partner ausgesprochen angenehm und effektiv verlief. Das Team von fischerAppelt, furore begleitete den gesamten Prozess von der Idee bis hin zu den fertigen Plakaten höchst kompetent und leidenschaftlich.
Die größte Herausforderung bei der Kampagnenrealisierung war die Herstellung der Bienen aus Knetmasse und deren Fotoshooting. Für ihre Modellierung wurde die Firma Trikk17 Animationsraum mit ins Boot geholt, die langjährige Erfahrung in allen Bereichen des professionellen Trickfilms hat.
Dort "schlüpften" unsere schwulen und lesbischen Bienen.
Mit großem handwerklichem Geschick und ungewöhnlichen Hilfsmitteln wie Zahnarztwerkzeugen wurden in stundenlanger Kleinarbeit die Figuren aus Fimo modelliert, gebrannt und angemalt. Aber nicht etwa in einem Stück. Rumpf, Arme, Flügel, Fühler, Augen, Augenbrauen, Mund und Bart wurden jeweils einzeln hergestellt, um eine größtmögliche Flexibilität und nahezu menschliche Züge bei den späteren Fotoaufnahmen zu erreichen.
Dabei dürfen die Schwulen der Künstlerin Sandra Schießl besonders dankbar sein, dass diese sich beim Bau der Bienenmodelle mehr an ihrer persönlichen Vorstellung als an wissenschaftlichen Fakten orientierte. So wurden aus den Drohnen, die in der freien Wildbahn im Vergleich zu den weiblichen Bienen plumper, gedrungener und mit größeren Augen daherkommen, durchaus ansehnliche Exemplare mit geradezu menschlichen Zügen.
Mit den fertigen Bienen ging es dann zu Veronika Faustmann, einer Werbefotografin, die - genau wie alle anderen Beteiligten - ihre Zeit und ihr Herzblut ohne Honorar und nur für die Sache einbrachte. Auch hier war Geduld gefragt: Denn bis die Bienen ins rechte Licht und vor allem in die rechte Position gerückt waren, vergingen etliche Stunden. An jedem Detail musste lange getüftelt werden, bis schließlich das passende Bild geschossen werden konnte.
Anschließend wurden die Fotos in der Grafik von fischerAppelt, furore zu einem großen Ganzen zusammengesetzt - zu unserem Kampagnenmotiv 2010!
Hamburg Pride bedankt sich bei allen bienenfleißigen Beteiligten für ihre großartige Arbeit!
Die Crew zur Entwicklung und Umsetzung
Beratung: Michiel Koppejan, fischerAppelt, furore
Creative Director: Tobias Holland, fischerAppelt, furore
Art-Direktion: Ralf Hölzl, fischerAppelt, furore
Text: Marc Stelling, fischerAppelt, furore
Figuren: Sandra Schießl, Trikk17 Animationsraum
Fotografie: Veronika Faustmann, Veronika Faustmann Fotografie